Neptunfest und Ätsch-Spiele
Home ] Nach oben ] [ Neptunfest und Ätsch-Spiele ] Sensibilisierungsspiele ]

 

Hi Mirko,

ich bin Ina Seydel und verbringe schon seit der 1992 meine Ferien mit dem Kinder–Freizeit-Verein e. V. (KFV) . Vielleicht auch, weil ich so die Entwicklung des Vereins fast vollständig nachvollziehen kann, wurde mir deine Mail mit den wirklich wichtigen Fragen geschickt und ich versuche sie mal klar und verständlich zu beantworten.

Erstmal werde ich dir sagen müssen, dass diese Regeln nicht immer bestanden haben. In den ersten drei, vier Jahren gab’s bei uns auch noch Neptunfeste, und sowas, was wir "Ätschspiele" nennen ("Ätschspiele" sind alle Spiele, wo einer sagen kann: "Ätsch, ich habe gewonnen, und du nicht!"). Mit der Einführung der New Games (Regeln: Keiner tut dem anderen weh! ; Setze nur soviel Kraft ein, wie der andere bereit zu geben ist! ; Play hard but play fair! ;...), die inzwischen alle, die bei uns mitfahren, befürworten, haben wir für so ziemlich alle "Ätschspiele" eine New Games - Variante gefunden. Und: Warum sollte denn bei einer Stempeljagd nur einer gewinnen? Es gewinnen doch im Prinzip alle, mindestens an Erfahrungen! Sicher, auch bei uns werden die "alten Varianten" nicht vergessen, aber meistens versuchen die Kinder von selbst, die Spiele so zu verändern (meist sogar unbewusst), dass alle daran Spaß haben und keiner ausgegrenzt wird. Und da nun das Neptunfest für das oberste Spiel aller Ätschspiele steht, da die Kinder gezwungen werden, irgendwelches komisches Zeug zu trinken, und auch durch den ganzen anderen Tam-tam Betreuern oder andern Leuten unterlegen sind, können wir so etwas einfach nicht mehr machen.

Vielleicht sollte auch noch gesagt werden, dass sich bei uns jedes Kind geborgen fühlen darf und anerkannt wird. Was interessant ist, wir haben zum Beispiel ein hyperaktives Kind. Dieser Junge würde (so weit ich das einschätzen kann, da ich auch mit anderen Vereinen weggefahren bin) wohl in jeder anderen Gruppe sagen "Ferienlager –nein danke!" Und trotzdem kommt er immer wieder. Das kann nur daran liegen, dass er sich bei und wohl gefühlt, oder?

Noch was in puncto wohl fühlen: Wenn es Kindern physisch und psychisch gut geht, dann werden sie seltener krank und auch Heimweh ist so gut wie unmöglich. Das merkt man. Heimweh ist bei uns so gut wie ausgestorben und während ganze Gruppenteile anderer "Teams" dahingerafft werden, weil das Essen mal einen kleinen Fehler hatte, sind unsere Kiddies noch voll da (nagut, auch hier bestätigen, wie immer, die Ausnahmen die Regel).

Ganz am Rande bemerkt, unsere Teilnehmer sind meistens zur Hälfte "alte Hasen", die dann die andere Hälfte geworben haben. So kennen die "Neuen" dann schon Leute, mit denen sie reden können, falls Probleme auftauchen sollten.

So weit zum Thema "kein Neptunfest" und "keine Verlierer".

Die sinnlosen Verbote sind alle überflüssige, die Beziehung zwischen Teilnehmer und Betreuer stark beeinträchtigende Dogmen.

Als jahrelanger Teilnehmer oder Btreuer müsstest du das kennen:

Am Tag der Anreise werden immer die gesammte Palette an Hausordnungen, Essenzeiten und sonstigen, höchst ungeliebten und uninteressanten Dingen den Kindern eingeflößt. Da sind sehr oft auch Regeln dabei, die nicht mal die Betreuer verstehen. Wir lesen daher nicht mehr die Listen vor, auf denen dasteht: Ihr sollt, ihr müsst, es ist verboten, usw... . Natürlich, grobe Linien bestehen auch bei uns. Da wären zum Beispiel unsere 3 goldenen Regeln, die die Zimmerhygiene betreffen (Keine nassen Sachen auf dem Zimmer, Keine Esswaren, die schimmeln können auf dem Zimmer, Die Betten müssen bezogen sein), die Essenszeiten und dass 22.00Uhr Nachtruhe ist (wobei das von vielen natürlich nur als Gebot empfunden wird...). Ansonsten ist der Tagesablauf eigentlich im groben und ganzen von den Kindern selbst bestimmt. Es kann eigentlich fast immer das getan werden, wo zu man Lust hat, Und wenn doch mal Langeweile aufkommt, sind ja doch genügend Kinder und Betreuer da, die bestimmt eine Idee haben.

Außerdem: Wenn sich jeder "normal" verhält, dann sind Verbote eigentlich sowieso über flüssig, oder?

Zum Schluß noch was: Wenn du die Website des KFV aufmerksam angesehen hast, wirst du sicher mitbekommen haben, dass unsere Freizeit (=was du Ferienlager nennst) an dem Bundeswettbewerb TopTeamNaTour teilgenommen hat, und nun mittlerweile unter den besten 3 Angeboten ist. Dort war eines der Schlagwörter "nachhaltig". Kann eine Freizeit oder ein Ferienlager nachhaltig sein, wenn es da immer wieder Leute gibt, die sich wegen irgendetwas streiten (Wer hat denn nun gewonnen? Du darft doch das nicht machen!...). Als besten Beweis dafür, dass unsere Freizeiten nachhaltig sind, ist unser Chat auf www.kinderreisen.de und dass es schon mehre von Teilnehmern organisierte "Wiedersehenstreffen" mal in der Schwimmhalle, mal in der Sauna oder auch in der Kletterhalle gab. Ich glaube wiederrum nicht, dass eine Gruppe, in der das Vertrauen durch sinnlose Verbote stark eingeschränkt wird, solche Aktionen in der Zeit zwischen Ferienlagern unternehmen würde.

 

Wenn du irgendwas jetzt vielleicht nicht verstanden hast, kannst du ja einfach noch mal eine Mail schicken oder mitfahren (spätestens dann wirst du verstehen, was ich hier versucht habe, dir näher zu bringen!

In diesem Sinne,

CU,

Ina


Home ] Weiter ] [ alle Ferienlager seit 1991 ] [ Betreuer Erfahrung ]

© Lutz Elßner ° elssner@interdev.de